Die neue Orgel

© Ev. Kirchengemeinde Oberboihingen

Die neue Orgel in der Bartholomäuskirche

Die erste Orgel

Die erste urkundliche Erwähnung einer Orgel stammt von 1737. Dieses Werk wurde von  „Joh. Lebsanft, Orgelmacher zu Nürtingen, per 110 Gulen erkauft“. Man darf annehmen, dass das Werk für Oberboihingen neu gefertigt worden ist. „Gott zur Ehr und der Gemeinde zur Vergrößerung ihrer Andacht“ – so der belegte Text. Mit sechs Registern handelte es sich um ein bescheidenes Exemplar. Gemessen daran, dass in jener Zeit des Barock in Europa eine Hochblüte des Orgelbaus und der Orgelspielkunst herrschte. Aber damals wie heute mußte das Geld für ein Instrument von der Gemeinde aufgebracht werden. Reudern und Tachenhausen steuerten ihr Teil zu dem Kaufpreis bei. Als Standort gibt das Heimatbuch die Nordempore an, welche bereits früher zusammen mit der Westempore in das Schiff eingebaut worden war, wie man alten Akten über einen größeren Umbau im Jahre 1780 entnehmen kann.
1791 war eine Generalüberholung fällig, ausgeführt durch den „hiesigen Orgelmacher und Schulmeister G.L. Koch“. Ob die Orgel in den 54 Jahren seit ihrer Erbauung ohne Beanstandungen den Dienst versehen hat, wissen wir nicht. Ihre mechanische Traktur und der hand- bzw. fußbetriebene Blasebalg dürften aber einigermaßen  „wetterfest“ gewesen sein.

Die zweite Orgel

Immerhin vergingen weitere 72 Jahre, bis dieses „Urorgel“ durch eine neue und größere erstetzt wurde. Der Standort dieser zweiten Oberboihinger Orgel war die inzwischen eingezogenen Chorempore, also eine Fortsetzung der linken Seitenempore quer über den Chor hinweg, dessen Bogenabschluß 1780 beseitigt worden war und erst 1954 wieder hergestellt wurde. Diese Empore war durch eine Treppe am Ende des Chores zugänglich. Der Spieltisch stand vor dem Orgelprospekt, der Blick des Organisten war dem Schiff zugewandt. Die Traktur war mechanisch, der Blasebalg wurde nach wie vor durch Treten eines menschlichen „Windmachers“ bedient.

Neuerung: elektro - pneumatische Traktur

1937/38 erfolgte eine „Überarbeitung von Grund auf“ durch die Erbauerfirma. Die Windmaschine erhielt einen elektrischen Antrieb. Der Spieltisch wurde seitlich versetzt und auf die Südseite der Chorempore gerückt, vielleicht, um mehr Platz für den Kirchenchor zu schaffen. Das war aber nur möglich durch die Aufgabe der mechanischen Traktur, die durch eine elektro-pneumatische Steuerung der Ventile ersetzt wurde.

Die große Kichenumbau von 1954

Das nächste bedeutsame Datum ist das Jahr 1954. Ein größerer Umbau führte zur heutigen Gestalt unserer Kirche: Abbruch aller Emporen, Höherlegung der Decke, Bau einer größeren Westempore, Herrichtung des Chors und Wiedererrichtung des Chorbogens, Bau der Arkaden vor dem Haupteingang, Versetzung der Kanzel an den heutigen Platz, Verlegung des Kruzifixes von der südlichen Seitenwand des Schiffes hinter den Altar.

Neue Gutachten

Ein Gutachten von 1988 befindet: Werk verstaubt, Traktur geräuschbeladen; wegen der grundsätzlichen Mängel ist eine nochmalige Überholung fragwürdig.

Entschluß zu einem neuen Werk

Angesichts der geschilderten Verhältnisse und der wiederholten Ratschläge der Sachverständigen konnte sich der KGR dem Gedanken an eine neue Orgel nicht länger entziehen.

Durchbruch und die Entscheidung

Am 12.9.1996 ging der Auftrag an die Fa. Vier . Ein Besuch in der Orgelwerkstatt im Schwarzwald am 25. Oktober 1997 gab dem KGR einen Eindruck von dem Betrieb und seiner Leistungsfähigkeit und von dem komplizierten Zusammenspiel der Handwerke – dies wörtlich verstanden: der Bau einer Orgel ist wirklich weitgehend Handarbeit.

Was in den Jahren 1997/98 folgte, waren Planungen zu begleitenden Umbauten: Schließung der Chornische, Vergrößerung des Raums vor dem Altar, bei dieser Gelegenheit Erhaltungsarbeiten und Verbesserungen in Chor und Schiff und Sakristei. Von ihnen kann sich jedermann nach Abschluss der seit 13. Januar 99 laufenden Bauarbeiten überzeugen, die unter der Leitung von Herrn Architekt Pfefferkorn von örtlichen Firmen ausgeführt werden.

Abschied von der alten Orgel

Am 10. Januar 1999 erklang im Gottesdienst unsere 134 Jahre alte Orgel zum letzten Mal. Am darauffolgenden Tag erfolgte ihr Abbau durch freiwillige Helfer aus der Gemeinde. Die Pfeifen wurden sortiert und für den Pfeifenbasar am 23. Januar gelagert. An diesem Tag ging in der Kirche und auf dem Dorfplatz der Verkauf unter großem Interesse der Bevölkerung vonstatten. Bis auf wenige sehr große Holzpfeifen fanden alle, metallene, hölzerne, offene und gedackte, Lippen- und Zungenpfeifen Liebhaber. In vielen Häusern hängen nun ein oder mehrer Stücke der alten Orgel als Erinnerung an der Wand – sichtbare, begreifbare Geschichte.

(Auszüge aus der Broschüre zur Orgeleinweihung im Jahr 1999)

 Die Disposition der neuen Orgel findenSie HIER